Februar-Kunst-Highlights in München

Die Tage werden endlich wieder länger. Glatteis und Schnee verschwinden und es zieht mich nach München. Nicht wegen der nahen Skigebieten, sondern wegen der Kunst. Hier ein paar herrliche Highlights für die kommenden Wochen.

written by Gastautorin Juliane Rohr 13. Februar 2026

 

1. Pinakothek der Moderne

Buchstaben-Sammlung

Hängen bleiben an Linien, Buchstaben, Worten, Bedeutungen, die sich nicht sofort erschließen. Schrift ist allgegenwärtig und in der Kunst über Jahrhunderte tief verankert. In diversen Sprachen dient sie der Reflexion und der Auseinandersetzung.  

Die klug kuratierte Ausstellung „Sweeter than Honey“ in der Pinakothek der Moderne kann genau das. Der Untertitel „Ein Panorama der Written Art“ verrät, worum es geht: Die Written Art Collection, die seit 2013 gezielt für das Münchner Museum zusammengetragen wird, ist ausschließlich künstlerischen Positionen gewidmet, die Sprache, Schrift und Bild verbinden.

Kunst trifft Sprache

Da dreht sich viel um Migration, politische Gewalt, Identität, soziale Beziehungen, aber auch Poesie und Spiritualität. Hier treffe ich auf Kunst, die meiner Wahrnehmung der Welt, meiner Umgebung und dessen, was ich vom großen Ganzen zu verstehen glaube, in Frage stellt.

Noch bevor ich die Ausstellungsräume betrete, sehe ich Lawrence Weiners Buchstabenmalerei, malerische Gesten von Katharina Grosse und weiße Neonpfeile von Alfredo Jarr. Das fragil wirkende Werk der ägyptisch-deutschen Künstlerin Susan Hefuna, ein im Raum freistehendes Fenstergitter ihrer Mashrabiya-Serie, ist übrigens der Namensgeber der Schau. „Knowledge is sweeter than honey“ heißt es. Das kann feministisch gelesen werden: Wissen ist ein, wenn nicht das Mittel, um Gleichberechtigung zu erlangen.

Schau genau

Im letzten Raum treffe ich auf fiktive Landkarten des chinesischen Künstlers Qiu Zhijie. Seine großformatigen Denkmodelle und visuellen Enzyklopädien malt er mit Tusche und Aquarell. Sie sind zweisprachig und genaues Hinschauen lohnt unbedingt. Am Ende treibt mich die Frage um:

Was war zuerst da, die Malerei oder das Wort?

Egal. Manche Worte, Sätze, Notizen treffen unvermittelt. Anderes ist deutlich positioniert oder eher für den zweiten Blick. Unübersetztes bleibt kryptisch und hinterlässt dennoch Spuren.

Und genau das macht die Schönheit dieser 60 besonderen Werke aus.

2. Lenbachhaus

Shifting the Silence – Verschieben der Gegenwart

Sehr persönlich und melancholisch reflektiert Etel Adnan (1925-2021) in ihrem Büchlein „Shifting the Silence“ die großem Themen. Sprache ist für die Künstlerin ein Mittel der Verständigung, wenn auch ein begrenztes. Zu subjektiv und vielschichtig sind die Wahrnehmungen und Eindrücke dieser Welt. Die aktuelle Schau im Lenbachhaus ist nach ihrem Buchtitel benannt.

Mit ihrer Kunst will Adnan die Grenzen des Sagbaren erweitern. Wie sie die Schönheit des Lebens feiert, kann als politische Gegenwehr gegen das gesellschaftliche Verstummen interpretiert werden.

Und so kommt die jetzt gezeigte Gegenwartkunst dieser Ausstellung ebenso poetisch wie intelligent daher: von Adnan selbst über Isa Genzken über Saâdane Afif, Nevin Aladağ bis hin zu Matt Mullican oder Nicole Wermers. Sie alle verteilen sanfte Kopfnüsse und regen zum (Nach-)denken an.

Ein mehrfacher Besuch nicht ausgeschlossen, da sie bis zum Frühjahr 2027 zu sehen ist.

Iman Issa – Lass uns spielen

Die ägyptische Künstlerin verbindet mit ihren Werken höchst amüsant Kunst und Spiel dabei öffnen sich neue Horizonte. Ihre Erläuterungstexte zu den minimalistischen Skulpturen aus Metall und Holz erklären das Gesehene schlicht und ergreifend nicht. Dafür setzen sie ein oft alarmierendes Kopfkino in Gang.

In ihrer neuesten, für das Lenbachhaus entstandenen Arbeit „Das Spiel“ soll ich Wandtexte und Fotografien zuordnen, aber passen die überhaupt zueinander? Sind die Texte nicht einfach nur hohles Beiwerk?

Was ist ein Kunstwerk? Wie verhält es sich zu den Belangen unserer Zeit? Und welche Rolle nimmt die Künstlerin in der jeweiligen Gegenwart ein? Am besten, man macht sich selbst ein Bild und versucht den vielschichtigen Rätseln von Issa auf den Grund zu gehen.

3. Museum Villa Stuck

Herrlich schön

Nach 18 Monaten Wartezeit hat die wunderbare Villa Stuck am Friedensengel wieder geöffnet. Und erstrahlt Innen wie Außen im neuen Glanz. Piccobello kommen jetzt Gebäudetechnik und Fassade daher. In den historischen Räumen wartet eine aufregend andere Hängung voller Überraschungen.

Rote Vorhänge inklusive.

Der Maler Franz von Stuck (1863 – 1928) lebte und arbeitete hier. In den prachtvollen Räumen der Jugendstilvilla kann ich sein bewegtes Leben ergründen.

Flüchtigkeit des Moments

Im ersten Stock wartet – wie immer – das Gemälde „Die Sünde“ auf mich. Dazu gesellen sich gemalte Vorhänge und Schönheiten der gefeierten, britischen Malerin Louise Giovanelli. „A Song of Ascents“ öffnet den Kopf für die eigene Fantasie. Großformatige Ölgemälde wechseln sich mit kleinen zauberhaften Momenten, die einen bestimmten flüchtigen Augenblick einfangen, ab.

Im modernen Teil des Gebäudes wird seit über 30 Jahren ausschließlich Zeitgenössisches gezeigt. Momentan tobt sich das Kollektiv „Chicks on Speed“ mit einer knalligen, immersiven Multimediaarbeit „Utopia“ aus. Unter anderem zeigen sie alle Kostüme der vergangenen 30 Jahre.

Mode, Performance, Musik, Kunst, Aktivismus verbinden sich zu einem perfekten Ganzen.

Sagte ich picobello?

Vom 2. März bis zum 13. Mai macht das Museum nochmal zu – dann wird die technische Sanierung abgeschlossen. Also schnell nochmal hin. Oder nochmal acht Wochen Wartezeit in Kauf nehmen.

4. Haus der Kunst

Cyprien Gaillard – Wassermusik

Was passiert, wenn man Skulpturen ihre Bedeutung entzieht? Was ist Skulptur überhaupt und wie kann ein Künstler mit Zeit arbeiten? In einer gut dreißig Minuten dauernden Filmvorführung konnte ich im Haus der Kunst versuchen, diese Fragen zu ergründen.

In seinem erlebenswerten Film „Retinal Rivalry“zerlegt der Franzose Cyprien Gaillard seine Wahlheimat Deutschland, untersucht wie Bilder unser Leben diktieren.

Mal blicke ich durch die Augenhöhlen der Bavaria auf das Oktoberfest. Dann bin ich in einem Glascontainer, um mich herum schwirren Fliegen. Da sind Müll, die Abwässer der Stadt und ich überlege kurz, ob ich vielleicht eine schlaue Stadtratte bin, die allen Widrigkeiten zum Trotz überlebt.

Das Ganze wirkt dank ausgefeilter Technik wie ein irrer Trip. Mit 120 Bildern pro Sekunde aufgenommen und mit derselben Geschwindigkeit projiziert. Fünfmal so schnell wie im Kino üblich.

So fängt der Künstler mehr Bilder ein, als das menschliche Auge natürlicherweise wahrnehmen kann. Cool! UND unbedingt bis zum Ende anschauen.

INFO

Kleiner Tipp: Alle vier Museen (und noch einige mehr) sind mit der Buslinie 100 perfekt miteinander verbunden.

  • Sweeter than Honey

Pinakothek der Moderne bis zum 12. April

Barer Straße 40, 80333 München

  • Shifting the Silence

Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München bis Frühjahr 2027

  • Iman Issa Lass uns spielen

Lenbachhaus,  bis zum 12. April

Luisenstraße 33, 80333 München

  • Museum Villa Stuck

Louise Giovanelli sowie Utopia laufen beide noch bis zum 1. März

Prinzregentenstraße 60, 81675 München

  • Cyprien Gaillard, Wassermusik

Haus der Kunst bis zum 22. März 2026

Prinzregentenstraße 1, 80538 München

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