Kunst-Eskapismus in Paris, Berlin und Düsseldorf

Der Kunst-Januar bringt Vertrautes, Überraschendes und Neues. In Paris wird Gerhard Richter sensationell gefeiert. Eine Malerei-Entdeckung wartet in Berlin und der Düsseldorfer Kunstpalast folgt der Spur der Düfte. Hier unsere Highlights.

written by Gastautorin Juliane Rohr 29. Januar 2026

Paris

Gerhard Richter

Vertraut und überraschend

Die Schau in Paris trägt ganz simpel seinen Namen: Gerhard Richter. Und es ist eine fantastische Würdigung seiner 60jährigen Schaffenskraft. Für die Retrospektive in der Fondation Louis Vuitton sind 270 Werke aus 100 internationalen Sammlungen zusammengetragen worden.

Das klingt viel, aber während ich die elf Säle auf vier Stockwerken besuche, kann ich von Gerhard Richters Malerei und Skulpturen nicht genug bekommen.

Ich bewege mich zwischen Wiedererkennen und Staunen: Von der frühen Figuration über seine verwischten Bilder in die weltberühmte Abstraktion, die er mit einem Rakel bearbeitet, bis zu seinen letzten Arbeiten.

Vertautes, neu entdeckt. Überraschendes, das den Blick öffnet. Unerwartetes, dass dazu einlädt genauer hinzusehen.

Dazwischen sind in den einzelnen Stockwerken, der an sich schon sehenswerten Fondation, überdimensionierte Fotografien von Gerhard Richter selbst in seinem Kölner Atelier zu sehen.

Herrlicher Bilderrausch

Gerhard Richter wird 1932 in Dresden geboren, beginnt 1951 an der dortigen Akademie in der Klasse für Wandmalerei. 1961, nach seinem Besuch auf der zweiten Documenta im Jahr 1959 beschließt er in den Westen zu gehen. Im März 1961 reist er aus und nimmt an der Düsseldorfer Akademie sein zweites Kunststudium auf.

Der Rest ist (Kunst-)geschichte.

Inzwischen ist Richter einer der höchstdotierten Maler. Internationale Künstler-Rankings führt er immer wieder an. Sein Abstraktes Bild (Werk-Nr. 599) wird 2015 für 41 Millionen Dollar versteigert.

Vor sechs Jahren sagt der Bildermacher in einem Interview, dass er jetzt den Pinsel endgültig aus der Hand legen wolle.

Klar, für Großformatiges, wie den 20 Meter lange Strich auf rot, seine aufwendigen Rakelbilder oder großformatige Übermalungen wie den Birkenau-Zyklus fehlt dem damals 88-jährigen verständlicherweise die Kraft. Den Werklauf der Malereien hat er damit endgültig abgeschlossen.

Kleinformatige Papierarbeiten aus seiner Hand entstehen allerdings bis heute. Die setzen einen poetisch-stillen Schlusspunkt dieser unglaublich schönen, wahrlich sensationellen Schau.

Ab nach Paris!

Berlin

Post-Millennium Tension. Radenko Milak

Aquarell trifft Fotografie

Bei meinem letzten Besuch in Paris entdeckte ich den Künstler Radenko Milak in einem wunderbaren Galerieraum hinter dem Picasso Museum. Die Galeristin verriet mir, dass bald eine Ausstellung mit ihm in Berlin eröffnen werde.

Nun ist es so weit.

Im Haus am Lützowplatz ziehen mich seine schwarz-weißen Aquarelle in der Schau Post-Millenium Tension erneut in den Bann.

Viele Einzelblätter montiert er zu riesigen Bildern. Darauf zeigt der 1980 in Bosnien geborene Künstler Schlüsselmotive der Weltgeschichte. Er malt ikonische Fotografien von aktuellen und vergangenen politischen und sozialen Ereignissen mit Wasserfarben ab.

Dabei wirken seine Malereien beinahe selbst wie Fotografien.

Er verweist auf Goya Desastres de la Guerra (1810-14),  die Zerstörung Kölns im Zweiten Weltkrieg,  Stanley Kubricks Darstellung künstlicher Intelligenz im Film 2001: Odyssee im Weltraum, oder das Attentat bei der Olympiade 1972 in München.

Schließlich endet alles im Berliner Berghain.

Ein wilder, lohnenswerter Ritt durch unsere instabile Welt.

Düsseldorf

Die geheime Macht der Düfte

Duft im Museum, wie das funktioniert? Und: funktioniert das überhaupt?

Ganz klar: Ja!

Die Ausstellung Die geheime Macht der Düfte berührt den Sinnenreiz, den wir am häufigsten unterschätzen. Dabei umgibt uns Geruch permanent und das auch noch völlig unsichtbar, also geheim. Duft kann so vieles sein – von süßlich, frisch über betörend, verführerisch bis hin zu metallisch, ätzend, betäubend, ekelerregend.

Die olfaktorische Aha-Momente werden im Kunstpalast an die umfangreiche Sammlung des Museums gekoppelt.

Gut zu wissen: Düfte, Aromen, Parfum, Gerüche beeinflussen unsere Entscheidungen, Emotionen und das Erinnerungsvermögen. Neugierig öffne ich Dufthauben und Flakonstöpsel, drücke Zerstäuber und Knöpfe.

Den Geruchswelten ist dabei keine Grenze gesetzt.

Mal riecht nach Weihrauch, dann nach edelsten Essenzen. Woanders nehme ich Schießpulver, Cola oder synthetisch hergestellte Duftmoleküle wahr. Während ich mich durch die Schau schnuppere betrachte ich Rubens, Beuys, El Anatsui oder Lotte Laserstein und andere bezaubernde Kunst.

Wirklich erlebenswert.

Infos

  • Gerhard Richter

Fondation Louis Vuitton

bis zum 2. März, Dienstags geschlossen, Online-Ticket mit Zeitfenster unbedingt empfohlen!

8 av. du Mahatma Gandhi, 75116 Paris

  • Radenko Milak. Post-Millenium Tension

Haus am Lützowplatz

bis zum 8. März, der Eintritt ist frei, montags geschlossen

Lützowplatz 9, 10785 Berlin

  • Die geheime Macht der Düfte

Kunstpalast

bis zum 8. März, montags geschlossen

Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf

Leave a Comment