Gallery Weekend Berlin 2026

Endlich, der Kunst-Frühling startet: 57 Berliner Galerien öffnen vom 1. Bis zum 3. Mai zeitgleich ihre Türen und laden zum 22. Mal zum Gallery Weekend Berlin. In der ganzen Stadt gibt es inspirierende Kunst zu entdecken. Hier unsere Highlights.

written by Natali Borsi 29. April 2026

Von Gastautorin Juliane Rohr

Spot on Berlin!

Auf zur 22. Ausgabe des Gallery Weekend Berlin, kurz GWB. Wie immer gibt es jede Menge zu sehen und zu entdecken. Es macht Sinn, sich an diesen drei kunstsinnigen Tagen die Touren in den verschiedenen Stadtteilen vorher zurechtzulegen.

Klar, könnte man sämtliche Orte am GWB-Wochenende abklappern – aber keine Angst: die Kunst ist noch ein paar Wochen länger in den Galerien zu Gast. Ich liebe es, mich zum Start auf meine Tour zu fokussieren, um mich dann doch in der Kunst zu verlieren und treiben zu lassen.

Alle teilnehmenden Galerien haben am 1. Mai abends von 18 bis 21 Uhr geöffnet. Am 2. Und 3. Mai können Interessierte von 11 bis 18 Uhr durch die Galerien schlendern und zeitgenössische Positionen entdecken. Was für ein Geschenk.

Es gibt die Gallery Weekend Art Talks (Neue Nationalgalerie) und einige spannende Museums-Openings (Hamburger Bahnhof & Neue Nationalgalerie). Zudem haben viele Galerien ebenfalls geöffnet haben, obwohl sie nicht Teil des offiziellen Programms sind. 

Es gilt: Entdeckermodus auf Empfang schalten für ein inspirierendes Kunsterlebnis.

Galerie-Touren

Mitte / Kreuzberg Süd

James Turrell arbeitet mit natürlichem und künstlichem Licht © James TurrellCourtesy: Häusler Contemporary Zurich, Photo: Florian Holzherr

Mit Perspectives startet dieses Jahr ein neues GWB-Format. Künftig soll hierbei eine wechselnde Auswahl an Galerien eingeladen werden, um besondere künstlerische Positionen zu präsentieren. Sieben „neue“ Galerien sind dabei (Max Goelitz, Haverkampf Leistenschneider, Anton Janizewski, Persons Project, Mountains, Walter Storms Galerie und Shahin Zarinbal).

Ich starte bei Max Goelitz, der die Einzelausstellung „Sensing Fields“ von James Turell zeigt.

Seit den 1960er Jahren hat der 1943 geborene US-amerikanische Künstler das Verhältnis von Licht, Raum und Wahrnehmung grundlegend neu bestimmt. Im Zentrum seiner Praxis steht die unmittelbare Erfahrung von Licht, sei es natürlich oder künstlich. 

Für ihn ist Licht ein materielles und räumliches Phänomen, das Raum und Bewusstsein strukturiert. Die Wucht seiner Arbeiten entfalten sich über einen längeren Zeitraum. Sie schärfen unsere sensorische Aufmerksamkeit und entziehen sich dabei einer unmittelbaren visuellen Erfassung. In Licht baden – einfach herrlich. Nicht verpassen!

Rudi-Dutschke-Straße 26, 1. Stock

Weiter in die Leipziger

Danach weiter zu carlier I gebauer und Barbara Thumm bummeln. Die sind gleich ums Eck in der Markgrafenstraße 67 und 68.

Via Buchmann und Thomas Schulte geht es für mich durch die Charlottenstraße 13 und 24 zu Sweetwater in die Leipziger Straße. 

Besonders freue mich auf Juan Pablo Echeverri (1978 – 2022) bei Klemm’s, nachdem ich sein Werk auf der Paris Photo entdeckt habe. Sein Werk zeichnet sich durch radikale Selbstinszenierung aus. Über Jahre hinweg fotografierte er sich täglich, machte sich selbst zum Material einer fortlaufenden, beinah obsessiven Untersuchung von Identität. Faszinierend konsequent.

Leipziger Straße 58 & 56

Auf in die Mercator Höfe

Klar, die Mercatorhöfe in der Potsdamer Straße 77 – 87 sind ein must See. Und haben mit ihrer unvergleichlichen Galeriendichte die Augsutstraße längst abgelöst. Der GWB-Eröffnungsabend hier am 1. Mai von 18 bis 21 Uhr ist das Highlight und the place-to-be für Kunstenthusiasten.

Also schnell hinein zu Hua InternationalGalerie Kristin HjellegjerdeThomas Schulte, der seinen zweiten Standort in den Höfen eröffnet hat. Unbedingt zu Jarmuschek und Partner, wo mich die junge Künstlerin Helena Hafemann mit klugen Werken begeistert.   

In den Höfen findet sich die auch seit kurzem die Walter Storms Galerie, die eigentlich aus München stammt. Die Galerie zeigt Giorgio Griffa, dessen minimalistisch abstrakten Arbeiten musikalischen Partituren gleichen. 

Auch Jorinde Voigt nennt ihre in Zyklen angelegten Zeichnungen Partituren. Sie zeigt neue Werke in der Galerie Judin.

Nebenan in der Turbinenhalle bei Max Hetzler hat Cornelius Tittel eine Schau namens „The Self Assessed“ zusammengetragen. Große Namen wie Baselitz, Koons, Kippenberger oder Lassnig, Sherman machen mich neugierig, da schaue ich in jedem Fall rein.

Danach kreuz und quer durch das Viertel: Die Tankstelle wird von Judin mit Malerei von Adam Lupton bespielt. Im dazugehörigen Cafe gibt es einen Entspannungskaffee mit Kuchen unter Bäumen, Tankstellendach und Koi-Karpfenteich.

Bülowstraße 18, 10783 Berlin

UND: Die Gruppenschau „Holzwege“ in der Potsdamer Straße 97 verspricht mit von mir sehr geschätzten Künstlerinnen und Künstlern wie Natalie Brehmer, Tim Berresheim, Ann Kuen oder Hannah Sophie Dunkelberg ein weiteres GWB-Highlight zu werden.

Etwas weiter bei Tanya Leighton freue ich mich sehr auf „SUN“ und die wunderbar leuchtenden Farben von Antonio Ballester Moreno.

Kurfürstenstraße 24/25

Nicht Verpassen!

Pfefferberg

Handwerk trifft Herstellung trifft Tech. Push und pull zwischen analog und digital. Die amerikanische Grafikdesignerin und Künstlerin Pae White experimentiert gerne mit Materialien. In „Pushme-Pullyu“ bei Neugerriemschneider begegnen mir mexikanische Textilbilder, flandrische Tapisserien und irisierende Keramik. Ihr Studio ist die ganze Welt. Schmetterlinge, Fliegen, Insekten, Schnecken und Wassergetier bevölkern höchst unterschiedliche Räume.

Genaues betrachten lohnt. Was wie eine Stickerei erscheint sind  Bilder aus gelegten Fäden. Dramatisch im Kabinett inszeniert irriterend irisierende Tondos aus Keramik

Pfefferberg Christinenstraße 18 – 19

Fichtebunker

Bei ebensperger wartet im (und vorm) Bunker Göksu Kunak mit ihrer Ausstellung „REMAINS“. In ihren Performances verbindet die Künstlerin Körper, Raum und Bewegung zu performativen Installationen, die gesellschaftliche Normen und Identität auf poetisch-physische Weise hinterfragen.

Fichtebunker, Fichtestraße 6, 10967 Berlin

Fasanenstraße & so

Immer ein Must ist für mich das Bummeln durch die Galerien im Westen, wie Société (Wielandstraße 26). Neue Malerei gibt es auch in der Grolmannstraße 32/33 bei Contemporary Fine Arts zu entdecken.

Wer mag schaut bei Wentrup und in der Goethestraße zu Max Hetzler.

Weiter geht es in die Fasanenstraße zunächst schaue ich bei Buchholz im ersten Stock vorbei. Danach geht und danach zu Crone, wo Franz West und Bruno Gironcoli in den Dialog treten.

Der in Berlin lebende Künstler Philip Grözinger erschafft bei 68project eine wilde, poppig-surreale Uto- oder Dystopie inklusive Diskokugel und Karaoke jenseits der allgegenwärtigen Handy-Bildschirme.

Manntje, Manntje, Timpe Te“.

Na, kommen Sie drauf, wo der Titel der Ausstellung entliehen ist?  Richtig bei den Gebrüdern Grimm „Der Fischer und seine Frau“. Auch Philip Grözinger geht um Gier und die sich permanent verschiebenden Koordinaten des Lebens und der politischen Systeme. Was bleibt, wenn die Welt untergeht? 

Was bei dem Maler wie leicht dahin gemalt daherkommt, ist wohl überlegt und kein Tageswerk. Mit Humor und Leichtigkeit tauchen wir in eine tiefgründige Welt mit viel Raum für eigene Interpretation. Kopfkino inklusive, denn wer will sich schon langweilen…

Besondere Orte

Paper Position in Tempelhof

Zum zehnten Jubiläum verwandelt die paper positions berlin die ikonische Haupthalle des Flughafen Tempelhof erneut in eine kleine feine Messe rund um Papierarbeiten. Parallel zum Gallery Weekend kann man bei 69 Galerien aus 13 Ländern auf eine konzentrierte Entdeckungsreise durch die Vielseitigkeit des Mediums Papier gehen.

 Die Reduktion auf Papier ist überraschend vielfältig und voller Ideen – in all ihrer Radikalität und Feinheit. 

Platz der Luftbrücke 5 – Flughafen Tempelhof, Haupthalle.

Mehr Infos? Bitte hier

KaDeWe windows

Uups – he did it again. Kurator Sebastian Hoffmann verwandelt die Schaufenster des Kuafhauses in eine 24/7 Ausstellung. Er lädt mit „Display, Paus, Repeat“ dazu ein innezuhalten und den Blick schweifen zu lassen. Mit von der Partie sind Simon Denny, Leila Hekmat, Hanne Darboven und andere.

Neutra Haus, Fluentum & Liebermann

Am Sonntag schwinge ich mich auf mein Fahrrad und cruise zunächst in Richtung Zehlendorf.

Zum GWB wird ein von Richard Neutra entworfenes Wohnhaus erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Fotograf Stefan Heyne zeigt hier seine Ausstellung „Casa Chroma“.

Mit seinen Arbeiten stellt Heyne das Medium Fotografie als objektives Abbild von Wirklichkeit in Frage. Er entzieht dem Bild jegliche Gegenständliche Referenz bis nur noch die Essenz von Licht und Farbe übrigbleiben. Erinnert an Sonnenauf- und untergänge – bezaubernd.

Die malerischen Farbverläufe verleihen besonders mit seinen großformatigen Arbeiten den Räumen hier eine ganz besondere Magie.

Zwischenstopp Dahlem

Auf meinem Rückweg in die Stadt halte ich auf jeden Fall in Dahlem an. Zuerst zieht es mich in das Fluentumzu „Demolition/Escape“. Es geht bei den gezeigten Video-  und Soundarbeiten um Bewegung, Risiko und Umkehrung.  Tina Keanes Installation Escalator von 1988 steht im Dialog zu neuen Arbeiten von Hilary Lloyd und James Richards. Gestapelte Monitore werden kombiniert mit Video, Performance, Klang und skulpturalen Elementen zu einem inspirierenden Gesamtergebnis.

Weiter zu Bastian. In diesem, so reduziert von John Pawson gebauten Kunstort, wartet ein zauberhafter Kontrast zu dem zeitgenössischen Kunst-Programm der letzten Tage. „Max Liebermann – Ein Schlüssel zum Garten“. Die tanzenden Lichtflecken auf blühenden Blumenrabatten seiner Villa am Wannsee machen Lust auf mehr Liebermann.

Wie gut, dass man im Potsdamer Museum Barberini noch bis zum 7. Juni in die Entwicklung des Impressionismus rund um den Maler eintauchen kann.

Die Ausstellung heißt “Avantgarde: Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“ und ist eine unbedingte Empfehlung für die kommenden Wochen.

Onkel-Tom-Straße 87 (Neutra-Haus), Taylorstraße 1 (Bastian) und Clayallee 174 (Fluentum)

Alle Infos zum Gallery Weekend Berlin finden sich hier

Über Gastautorin Juliane Rohr

Kunst ist Julianes Ausgangspunkt, oft ihr Ziel, manchmal einfach ein Vorwand um Menschen zu treffen, die etwas zu sagen haben und Themen zu vertiefen. Sie schreibt über das, was hängen bleibt – an Wänden, in Köpfen, im Gefühl. Sie lebt in Berlin, schaut gerne woanders hin – in Ausstellungen und auf ihren Reisen. Als Journalistin hat sie einen besonderen Blick für Worte, Zwischentöne und Kunst. Das Empfinden ist dabei subjektiv – das macht es spannend. Kunst ist vielfältig, je mehr man sieht, um so kritischer wird man als Betrachter. Seit 2019 schreibt sie regelmäßig für n-tv.de, veröffentlicht in anderen Publikationen ihre Betrachtungen und führt artist talks. Für unsere Blogbesucher bereitet Juliane alle sechs bis acht Wochen ihre Museums- und Galerien-Tipps frisch auf. Auf Instagram findet ihr sie unter jr.artynotes.

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