Alles Gute!

Die Welt als Speisekarte von Christian Seiler. Was für ein Buch! Grandios!

written by Natali Borsi 7. Oktober 2019

Ich wünsche ALLES GUTE!

Alles Gute zum Kauf dieses Buches!

Ich liebe es.

Keine Ahnung wovon ich spreche?

Ich spreche von purem Lesevergnügen. Von Lust an Sprache, Gedanken und kulinarischem Genuss. Ich schreibe hier über 813 Seiten eng bedruckte Buchseiten mit wenigen, dafür wunderbaren Abbildungen.

Alles Gute: Die Welt als Speisekarte
Alles Gute: Die Welt als Speisekarte*
von Echtzeit Verlag

Wo auf der Welt wird am besten gekocht? Und wo am interessantesten gegessen? Christian Seiler probiert alles. Er berichtet aus der Spitzengastonomie, vom Marktstand und von der Feuerstelle. Die Welt ist seine Speisekarte, «Alles Gute» sein Programm. Mit vielen Rezepten und Empfehlungen zum Nachreisen und Selberprobieren. Von A wie Adelaide bis Z wie Zürich

Preis inkl. MwSt., zzgl. ggf. Versandkosten. Zuletzt aktualisiert am 5. Mai 2021 um 20:13 Uhr. Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

Der Titel: „Alles Gute. Die Welt als Speisekarte.“

Illustrationen von Markus Roos & Roland Hausheer

Keine Bilanz, sondern ein Programm:

Alles Gute ist ein Programm. Dort hingehen, wo etwas warten könnte, was ich niemals vergessen werde. Für mich ist das Nicht-Vergessen die wahre Währung kulinarischer Erlebnisse…

Und wer sagt das?

Christian Seiler, ein aus Wien stammender erfolgreicher Kolumnist, Autor und Verleger. Er nimmt seine Leser mit auf seine kulinarische Reise um die Welt. Die ersten Sätze des Vorwortes könnten auch von mir stammen:

Ich esse, reise und schreibe. Gerne reise ich, um zu essen. Oft schreibe ich, um zu reisen. Immer esse ich, weil ich reise. Manchmal schreibe ich auch, statt zu essen….

Herzlichen Dank Herr Seiler für „Alles Gute“!

Ich halte das Buch noch nicht lange in meinen Händen. Es hat sich den besten Platz auf meinem Nachttisch erobert und wird dort sicher den ganzen Winter liegen. Kleine Lese-Häppchen vor dem Einschlafen als Betthupferl. Zwischendurch wird es sicherlich mal in der Küche liegen, denn Rezepte gibt es auch.

Aber der Reihe nach.

Herr Seiler reist viel und schreibt wöchentlich in verschiedenen Magazinen nicht nur über seine Reisen, sondern vor allem über das Phänomen Essen & Trinken, das er als „sinnlichen Ausdruck von Kultur und Zivilisation“ ansieht. Er spricht mir mit diesem Satz aus der Seele. Ja – genau so ist es. Ich war deshalb sehr gespannt, welchen sinnlichen Ausdruck die verschiedenen Essays von ihm zu den Städten bieten, die auch ich schon bereist habe. Ich wurde nicht enttäuscht.

Illustrationen von Markus Roos & Roland Hausheer

54 Reisen, 48 Grundsatzfragen – Alles Gute Herr Seiler

Das Buch ist untergliedert in 54 große Reisen und 48 Grundsatzfragen. Die 54 Reisen reichen von A wie Adelaide in Australien über L für Lissabon bis zu Z für Zürich. Dazwischen sind exotische und bodenständige Ziele zu finden. Hongkong, Kyoto, Marrakech stehen Grinzing bei Wien, Salzburg oder Tirol gegenüber.

Wollte ich alles lesen, könnte ich diese Rezession erst in einigen Wochen oder Monaten schreiben und das wäre schade, denn das Buch gehört auf jeden Nachttisch. Meine ersten Bettgeschichten waren die Städte, die ich selbst bereist habe und als allererstes war ich sehr neugierig auf meine Stadt: Berlin!

Seilers Titel zu Berlin:

O, là, là, Berlin. Die Stadt kann so unerträglich und so aufregend sein. Ich entschied mich für aufregend.

Na, da bin ich aber froh!

Berlin, Herr Seiler, ich, die Paris Bar und das Vereinszimmer in Kreuzberg

Es geht in diesem Kapitel viel um die Paris Bar. Das mag irritieren, denn die Paris Bar ist sicherlich kein Geheimtipp in Berlin. Aber darum geht es hier nicht. Die Paris Bar ist Berlin. Das alte West Berlin. Und damit ein Teil des „sinnlichen Ausdrucks von Kultur und Zivilisation“, der Stadt in der ich seit 30 Jahren lebe. Ich mag, dass gerade die Paris Bar und seine spannende Geschichte sehr prominent und lakonisch hier beschrieben wird. Und wem gehört sie nun? Jonathan Meese, Otto Sander oder den Russen? Aber natürlich geht es auch noch um viele andere wichtige Plätze in Berlin und das zu lesen zeigt die Vielfalt der Stadt und die gute Beobachtungsgabe des Autors.

Eines ist sicher, ich habe einen Platz entdeckt in Berlin, den ich nicht kannte. Von dessen Existenz ich keine Ahnung hatte. Ich werde bald Saumagen essen gehen in den Kurpfalz-Weinstuben in Berlin  und danach einen Fernet oder besser zwei in der Paris Bar trinken. Sozusagen auf den Spuren Seilers wandeln, weil es auch meine Spuren sind. Warum? Herr Seiler hat sich in Kreuzberg zielsicher in mein liebstes italienisches Café in Kreuzberg mit dem verwirrenden Namen „Vereinszimmer“ verirrt, das verbindet uns! Und nicht nur das. Als ich weiter gelesen habe, kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus.

Herr Seiler, waren wir gemeinsam auf Reisen?

 

Venedig, Tel Aviv, Kopenhagen, London » die Welt als Speisekarte

Egal welches Essay ich aufschlug über Orte, die auch ich in den letzten Jahren besucht habe, weil auch ich oft schreibe um zu reisen, der Herr Seiler war schon dort und beschreibt die Orte so,  als ob er sie mit meinen Augen besucht hätte. Wo haben wir uns schonmal gesehen? Ich hätte da ein paar Ideen. Vielleicht in

  • der versteckten wunderbare Rochelle Canteen von Margot Henderson / London Shoreditch,
  • oder beim Essen in dem von mir geliebten Restaurant Nopi von Yotam Ottolenghi / London,
  • oder auf der Terrasse des Manta Ray bei einer Mezze Platte / Tel Aviv,
  • oder doch bei einem Negroni und grandiosen Cicchetti im Gia Schiavi / Venedig Dorsoduro,
  • oder im für mich ebenfalls wegen der Gemüsevariotionen unvergessenen Restaurant Relae / Kopenhagen,
  • oder in der Schlange für die weltbesten Pasteis de Nata (lauwarm) im Pasteis de Belem / Lissabon,
  • oder beim Lunch in der Bar Centrale / München,
  • oder doch auf ein Glas im Schwarzen Kamel / Wien,
  • oder … ?

Seilers Essays lesen sich wie kleine Reisen und sind so angenehm anders als die üblichen Reisetipps. Hier reist jemand mit weit offenen Augen, Gaumen, Verstand und viel Humor. Das macht Spaß zu lesen und in Gedanken mitzureisen. Meine nächste Reise geht nach Paris. Da war der Herr Seiler zumindest in diesem Buch noch nicht. Ich bin gespannt, wo wir uns dort treffen? Vielleicht im L`Éntrcôte? Jetzt weiss ich endlich, nach wem ich Ausschau halten darf auf meinen Reisen:

Christian Seiler

Kann der Herr Seiler auch kochen? Oder ist das hier kein Kochbuch?

Alles Gute ist ein (Koch)-Buch, in dem man die Rezepte suchen muss. Sie sind nirgends aufgeführt und so wird man vielleicht abends beim Lesen im Bett überrascht, dass ein Kapitel mit einem Rezept endet oder halt nicht. Das Kapitel über Berlin endet mit keinem typischen Berliner Rezept, sondern mit einem für Saumagen, der legendären Leibspeise von Helmut Kohl. Überraschend, aber warum nicht. Schließlich ist Berlin auch die Hauptstadt der Politik.

Ich werde wahrscheinlich nie in meinem Leben Saumagen kochen, aber vielleicht geh ich mal in diese Kurpfalz-Stuben in Berlin. Es heißt ja immer, man sollte mal ausserhalb der eigenen Komfortzone nach Erlebnissen suchen.

Mein erstes Lesezeichen für ein Rezept habe ich am Ende des Essays zu Lissabon geklebt. Es geht um Kuchen und Café – eindeutig besser als Saumagen.

Bolo Rei – der Festtagskuchen der Portugiesen zu Espresso

Lissabon hat unsere ganze Familie verzaubert. Ich backe manchmal aus Sehnsucht nach Lissabon Pastei de Nata. Ich weiss bereits nach kurzer Lektüre, dass Herr Seiler und ich ziemlich ähnliche Geschmacksnerven haben müssen. Er liebt den auch von mir geliebten Tomatensugo nach Art von Marcela Hazan und schreibt über den portugiesischen Festtagskuchen Bolo Rei:

Der Bolo Rei ist ein Gedicht, die optimale Begleitung zu einem Herzschlag-Espresso. Er schmeckt hinreißend und ist schön.

Hinreißend und Schön. Den Kuchen muss ich probieren!

Tomatensauce nach Yotam Ottolenghi und Marcella Hazan gegen Depression

Aber davor koche ich Tomatensauce. Ich liebe Tomatensugo und bin süchtig nach jeder Art von Spaghetti mit Tomatensauce. Herr Seiler kann Tomatensauce blind kochen, zumindest die von Marcela Hazan und tut dies in folgenden Momenten:

Manchmal, wenn ich völlig vernagelt bin, soziophob, schlecht angezogen, keinesfalls gesellschaftsfähig, aber trotzdem Hunger habe, wanke ich in die Küche und koche Tomatensauce. Tomatensauce kann ich blind kochen. Ich taste nach der Zwiebel ….

Seilers Essay über „Die besten Tomatensaucen von allen“ liest sich wie ein Antidepressiva. Herrlich. Ganz nebenbei liefert er zwei Tomatensaucen Rezepte. Das von Marcella Hazan ist genial und auch bei mir sehr beliebt und das Rezept von Herrn Yotam Ottolenghi habe ich sofort ausprobiert. Lest selbst – genial! Spannend, anders und sehr lecker:  eine Tomatensauce mit Apfelessig und Cumin.

Die Rezepte von Herrn Seiler sind in den Texten versteckt. Es gibt keine Hochglanzfotos und kein Rezeptregister. Dafür tolle Sprache, wunderbare Beobachtungsgabe, viel Inspiration und Geistestraining. Denis Scheck sagt in der Sendung „Druckfrisch“ über das Buch:

Alles Gute von Christian Seiler ist ein Buch, das man mit umgebundener Serviette lesen muss und an dem man seine Zunge schulen, seinen Gaumen trainieren und seinen Geist wetzen kann. 

 

Reisen okay, aber Grundsatzfragen?

Die Reisberichte sind teilweise bereits in dem Foodmagazin ALACARTE erschienen. Die Grundsatzfragen als  Kolumnen für verschiedene Zeitungen. Um sie lesen zu können, muss man das Buch um 90 Grad drehen. Wer also keine Lust auf Grundsatzfragen hat, der dreht sein Buch halt nicht. Das wäre allerdings sehr schade. Die Grundsatzfragen sind unwiderstehlich und sehr unterhaltsam. Sie sind auf farbigen Papier gedruckt und ich habe mich dabei ertappt, nur noch farbige Seiten aufzuklappen. Von Grundsatz zu Grundsatz sozusagen, ohne Reise dazwischen.

Kulinarische Grundsatzfragen – kulinarische Gedanken

Grundsatzfragen mag ich generell sehr gerne. Es geht um die Werte und Glaubenssätze und den eigenen Umgang damit. Ohne Blatt vor dem Mund und in bester Schreibe mit viel Humor und Talent zur detaillierten Beobachtung schreibt Seiler amüsant und klug über „Grundsätzliches“ in der Kulinarik.

Seine Themen sind weit gesteckt. Von einer „Gebrauchsanweisung für Teegenuss„, über die Frage „Warum Politiker immer Bratwurst essen müssen„, hin zum „Gedächtnis der Zitrone„. Man erfährt, warum Seiler „Lieber ohne Reservierung essen geht“ und warum er den starken Wunsch nach mehr „analoger Gastronomie“ verspürt.

Ein anderes Mal beginnt er einen „Kurzen Brief ans Personal“ mit diesen Worten:

Liebe Wirtinnen und Wirte, liebe Köchinnen und Köche, liebe Kellnerinnen, Sommelier und Kellner! Liebe alle, denen die Gastronomie ein tägliches Anliegen ist. Ich habe eine große Bitte: Entspannt euch!

Was folgt ist eine amüsante, kritische, sehr genaue Analyse des Gesamtergebnisses Essen im Restaurant. Ein bisschen böse, messerscharf und sehr wahr.

FAZIT:

Ein Buch, das ganz viel Spaß macht. Ich gehe jetzt in die Küche und probiere diese Tomatensauce a là Ottolenghi aus und freue mich auf die nächsten Kapitel:

  • Wie viel Schärfe erträgt der Mann (und warum)? 

Falls ich noch nicht ganz bettschwer bin, gehe ich noch mit Seiler auf Reisen und lese:

  • Marken, Italien. 

Warum? Ich habe gespickt! Es gibt ein Rezept am Ende mit Sepien. Wie für mich gemacht. Danach schließt sich folgende spannende Grundsatzfrage auf dunkelblauen Papier an:

  • Die Spaghetti-Etikette

Ich fürchte, das wird eine lange Lesenacht!

Alles Gute!

Gute Nacht!

Guten Appetit!

Nicht vergessen – das Buch macht Spaß und gehört auf jeden Nachtisch, jetzt bestellen:

Alles Gute: Die Welt als Speisekarte
Alles Gute: Die Welt als Speisekarte*
von Echtzeit Verlag

Wo auf der Welt wird am besten gekocht? Und wo am interessantesten gegessen? Christian Seiler probiert alles. Er berichtet aus der Spitzengastonomie, vom Marktstand und von der Feuerstelle. Die Welt ist seine Speisekarte, «Alles Gute» sein Programm. Mit vielen Rezepten und Empfehlungen zum Nachreisen und Selberprobieren. Von A wie Adelaide bis Z wie Zürich

Preis inkl. MwSt., zzgl. ggf. Versandkosten. Zuletzt aktualisiert am 5. Mai 2021 um 20:13 Uhr. Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

Illustrationen von Markus Roos & Roland Hausheer

Lust auf weitere interessante Rezensionen ? Dann gerne hier entlang:

Kulinarische Bücher

Hier findet ihr auch meine Rezension des von Seiler mehrfach zitierten italienischen Kochbuchs (auch Echtzeit Verlag) von Marcela Hazan – Die klassische italienische Küche. Eines meiner liebsten Kochbücher! Christian Seiler sagt über dieses Buch:

Wäre in meiner Küche nur Platz für ein Buch, es wäre dieses.

Die klassische italienische Küche
Die klassische italienische Küche*
von Echtzeit Verlag

Marcella Hazan ist eine der wichtigsten Kochbuchautorinnen der Welt. «Die klassische italienische Küche» ist ihr Meisterwerk. Hazan, im kulinarischen Eldorado der Emilia-Romagna aufgewachsen, wanderte in die USA aus, wo sie zur unangreifbaren Autorität der wahren, italienischen Geschmäcker aufstieg. Ihre Kochkurse sind Legende. Ihre Bücher sind Welterfolge, und das hat einen guten Grund: Marcellas Rezepte inspirieren kulinarische Analphabeten ebenso wie mit allen Wassern gewaschene Profis.

Preis inkl. MwSt., zzgl. ggf. Versandkosten. Zuletzt aktualisiert am 5. Mai 2021 um 20:13 Uhr. Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

 

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uninteressant (bitte Feedback per Mail senden)schlechtmittelgutsehr gut, vielen Dank! (1 Bewertung(en), Durchschnitt: 5,00 von 5)
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*Vielen Dank an den Echtzeit-Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensions-Exemplar. Selbstverständlich basiert meine Besprechung allein auf meiner persönlichen Meinung.

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