Martin H. Lorenz schafft es schon wieder, mich für ein vermeintlich vertrautes Gemüse zu begeistern.
Kaum ist Herbst, tauchen sie überall auf: Kürbisse. In allen Größen, Farben und Formen. Auf Märkten, in Supermärkten, vor Haustüren und natürlich auf unseren Tellern. Vorzugsweise als Kürbissuppe.
Ich gebe zu, manchmal bin ich ein bisschen kürbismüde. Nicht weil ich Kürbis nicht mag. Im Gegenteil! Aber kulinarisch begegnet er mir oft ziemlich fantasielos. Dabei lässt sich mit Kürbis so viel mehr anfangen, als ihn in Spalten zu schneiden, im Ofen zu rösten oder zu Suppe zu pürieren.
Und dann liegt dieses wunderschöne Buch vor mir: Alles Kürbis von Martin H. Lorenz. Schon beim ersten Durchblättern bekomme ich Lust, mich dem Kürbis mit neuer Neugier zu widmen.
Ein alter Bekannter – und schon wieder ein tolles Buch!
Martin H. Lorenz ist für mich kein Unbekannter. Bereits 2021 habe ich sein Kochbuch Nur Suppe vorgestellt und war begeistert. 2026 folgte Alles Kartoffel, ein Buch, das mich sogar neugierig auf Kartoffelmarmelade gemacht hat.
Was ich an seinen Büchern schätze: Sie sind viel mehr als Rezeptsammlungen. Lorenz beschäftigt sich ausführlich mit dem jeweiligen Lebensmittel, seiner Geschichte, seinen Eigenschaften und den vielfältigen Möglichkeiten, es zuzubereiten. Man lernt beim Lesen eine ganze Menge, ohne das Gefühl zu haben, gerade ein Lehrbuch in der Hand zu halten.
Und auch bei Alles Kürbis ist ihm das gelungen.
Kürbis ist nicht gleich Kürbis
Bevor es an die Rezepte geht, gibt es erst einmal jede Menge Kürbiswissen. Welche Sorten gibt es? Wie unterscheiden sie sich? Wann wird geerntet, wie richtig gelagert und welcher Kürbis eignet sich eigentlich für welches Gericht?
Spannend finde ich auch die botanischen Verwandtschaften. Denn wer denkt beim Anblick einer Zucchini schon an Kürbis? Dabei gehört sie tatsächlich zu den Sommerkürbissen und ist mit dem Butternut enger verwandt, als man vermuten würde.
In der Küche behandeln wir die beiden allerdings ziemlich unterschiedlich. Und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn hinter dem Sammelbegriff Kürbis verbergen sich ganz unterschiedliche Geschmäcker, Konsistenzen und kulinarische Möglichkeiten.
Besonders schön finde ich übrigens die kunstvollen Kürbisfotografien. Die Kürbisse werden hier geradezu inszeniert. Man möchte die Bilder betrachten, die Sorten kennenlernen und am liebsten gleich ein paar davon nach Hause tragen. Auch wenn man vorher eigentlich dachte, für dieses Jahr schon genug Kürbis gesehen zu haben.
Und was wird gekocht? Endlich mal etwas anderes!
70 Rezepte hat Lorenz zusammengetragen. Von Vorspeisen, Salaten und Bowls über Suppen, vegetarische Gerichte, Pasta und Risotto bis hin zu Fleisch, Fisch, herzhaftem Gebäck und sogar Desserts.
Und da sind einige Kombinationen dabei, die mich sofort neugierig gemacht haben.
Kürbis-Birnen-Focaccia! Allein bei diesem Rezept war ich schon begeistert. Wer meinen Blog kennt, weiß, dass ich Focaccia liebe und mit meinem eigenen Focaccia-Rezept nach Marcella Hazan sehr glücklich bin. Aber Kürbis und Birne auf einer Focaccia? Das muss ich ausprobieren. Eine wunderbare Idee, die italienische Brotküche mit herbstlichen Aromen zu verbinden.
Auch der mediterran gefüllte Kürbis mit Hackfleisch und Reis spricht mich an. Ich habe selbst schon Kürbis gefüllt und weiß, wie wunderbar so ein ganzer gefüllter Kürbis auf dem Tisch aussieht. Sehr fotogen und vor allem sehr lecker. Die mediterrane Variante aus dem Buch macht mich jedenfalls neugierig.
Und dann ist da noch Kürbis im Glas mit Pasta. Eine Idee ganz nach meinem Geschmack! Eine Sauce aus Hokkaido, Chili, reichlich Knoblauch und Süßkartoffeln, die gleich auf Vorrat zubereitet wird. Denn ich liebe Kürbis zur Pasta. Und die Vorstellung, an einem Abend eine größere Menge Sauce vorzubereiten und damit gleich für mehrere köstliche Pasta-Abende vorzusorgen, gefällt mir außerordentlich.
Fast noch neugieriger machen mich die Kürbis-Käseknödel mit Mangold. Was für eine schöne Kombination! Mangold gehört ohnehin zu meinen liebsten Gemüsesorten, und in Verbindung mit würzigen Käseknödeln und Kürbis stelle ich mir das ausgesprochen köstlich vor.
Das sind nur vier Beispiele, aber sie zeigen ziemlich gut, was dieses Buch besonders macht.
Nicht unbedingt schnelle Küche – aber muss es das immer sein?
Wer ein Kochbuch für die schnelle Feierabendküche sucht, wird hier nicht bei jedem Rezept fündig. Manche Gerichte brauchen Zeit, einige etwas mehr Vorbereitung und andere vielleicht auch ein bisschen Experimentierfreude.
Aber das stört mich überhaupt nicht.
Im Gegenteil. Ich habe genügend Rezepte für die unkomplizierte Alltagsküche. Von einem Kochbuch wie diesem wünsche ich mir vor allem neue Ideen, interessante Kombinationen und Rezepte, auf die ich selbst nicht unbedingt gekommen wäre.
Genau das bietet Alles Kürbis.
Und natürlich gibt es auch Kürbissuppen. Die gehören schließlich dazu. Aber ich finde es wunderbar, dass sie hier nicht die Hauptrolle spielen müssen.
Mein Fazit: Gegen Kürbismüdigkeit hilft dieses Buch!
Martin H. Lorenz hat es zum dritten Mal geschafft, mich mit einem Kochbuch zu begeistern. Nach der Suppe und der Kartoffel widmet er sich dem Kürbis mit derselben Neugier und Liebe zum Detail.
Die Mischung aus fundierter Warenkunde, wunderschönen Fotografien und ungewöhnlichen Rezepten macht Alles Kürbiszu einem Buch, das man nicht nur zum Kochen aus dem Regal holt. Es macht auch einfach Spaß, darin zu blättern und sich inspirieren zu lassen.
Und ich? Ich werde vermutlich mit der Kürbis-Birnen-Focaccia anfangen. Oder doch mit den Kürbis-Käseknödeln und Mangold?
Die Kürbissuppe muss jedenfalls erst einmal warten.
Meine Empfehlung: Ein wunderschönes Kochbuch für alle, die Kürbis mögen – und ganz besonders für diejenigen, die glauben, schon alles mit ihm ausprobiert zu haben.
Noch mehr von Martin H. Lorenz
Wer Lust bekommen hat, auch die anderen Bücher des Autors kennenzulernen, findet hier meine beiden Rezensionen:
- Nur Suppe – 101 Rezepte und jede Menge Suppenliebe
- Alles Kartoffel – von Kartoffelsalat bis Kartoffelmarmelade
Und wer sofort selbst mit Focaccia experimentieren möchte, findet hier mein Focaccia-Rezept nach Marcella Hazan. Mit Kürbis und Birne habe ich es noch nicht ausprobiert. Aber das wird sich vermutlich bald ändern!
Transparenzhinweis: Das Buch wurde mir vom Verlag kostenlos als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung und Bewertung sind davon selbstverständlich unabhängig.