Mexiko mi Amor – mexikanische Küche jenseits von Tex-Mex

Mexikanische Küche ist weit mehr als Tacos, Guacamole und Schärfe. Mexiko mi Amor zeigt ihre Aromen, Traditionen und Grundlagen – persönlich, fundiert und mit viel Lust aufs Nachkochen.

written by Natali Borsi 18. August 2026

Ich war noch nie in Mexiko. Und ich esse tatsächlich auch eher selten mexikanisch.

Vielleicht hat mich Mexiko mi Amor von Luis Fernando Gonzalez Cortes gerade deshalb so interessiert. Ich wollte weniger wissen, wie man möglichst authentisch Tacos nachbaut, sondern vielmehr verstehen, wie mexikanische Küche funktioniert. Welche Aromen zusammengehören, welche Rolle Chilis, Säure, Kräuter, Mais und Gewürze spielen und wie diese Küche ihre ganz eigene Harmonie bekommt.

Denn genau das interessiert mich beim Kochen: nicht unbedingt ein Gericht eins zu eins zu übernehmen, sondern etwas über eine Küche zu lernen und dieses Wissen irgendwann ganz selbstverständlich in die eigene Küche mitzunehmen.

Und dafür ist dieses Buch erstaunlich gut.

Mexiko ist nicht Tex-Mex

Bei mexikanischer Küche denkt man hier schnell an Tacos, Guacamole, Nachos, Chili und ordentlich Schärfe.

Das ist zumindest ein sehr verkürztes Bild.

Mexiko mi Amor zeigt eine sehr viel differenziertere Küche: regional geprägt, traditionsreich und voller Zutaten und Zubereitungen, die bei uns längst nicht so selbstverständlich sind.

Fernando Gonzalez Cortes erklärt dabei nicht nur Rezepte. Er erklärt Zusammenhänge.

Und das macht für mich den Unterschied.

Fernando Gonzalez Cortes – zwischen Guadalajara und München

Fernando Gonzalez Cortes wurde 1991 in Guadalajara geboren und kam als Kind nach Deutschland. Heute lebt er in München.

Viele Jahre arbeitete er in der Werbung, daneben entstand sein Foodblog Auf die Faust. Es folgten Pop-ups und schließlich seine eigene Taqueria con Salsa im Münchner Gasteig.

Seine mexikanischen Wurzeln ziehen sich durch das gesamte Buch. Es geht um Familienrezepte, um Essen auf der Straße, um Märkte, um Gerichte aus seiner Kindheit und immer wieder um die Frage, welche Bedeutung Essen in Mexiko hat.

Das Persönliche bleibt dabei angenehm unaufdringlich.

Bevor gekocht wird: Chilis, Tortillas und Salsas

Ich mag Kochbücher, die nicht sofort mit Rezept Nummer eins beginnen.

Mexiko mi Amor erklärt zunächst die Grundlagen.

Welche Chilis gibt es und wie unterscheiden sie sich? Was ist ein Recado? Welche Salsas sollte man kennen? Was braucht man für gute Tortillas? Welche Zutaten gehören in einen mexikanischen Vorratsschrank?

Diese Seiten finde ich besonders interessant und bereichern mein intuitives Kochwissen.

Denn wenn ich mexikanische Küche besser verstehen möchte, bringt es mir wenig, einfach ein Rezept exakt nachzukochen. Spannender ist es für mich zu verstehen, warum bestimmte Zutaten immer wieder miteinander kombiniert werden.

Mais, Chilis, Bohnen, Kräuter, Limetten, Gewürze und Salsas bilden dabei ein System, das sehr viel komplexer ist, als ich bislang gedacht hatte.

Die traditionelle mexikanische Küche gehört übrigens seit 2010 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Beim Lesen dieses Buches versteht man schnell, dass es dabei nicht nur um einzelne Gerichte geht, sondern um über Generationen weitergegebenes Wissen, Anbaumethoden, Zubereitungen und Rituale.

Was wird gekocht?

Es geht um Streetfood, Fisch und Meeresfrüchte, Frühstück, Hauptgerichte, Desserts und natürlich Drinks.

Tacos sind dabei – selbstverständlich.

Aber eben auch Chilaquiles, verschiedene Salsas, Chorizo verde, Tamales, Mole, Gerichte mit Fisch und Meeresfrüchten, Churros oder Pastel tres Leches.

Beim Lesen merke ich, wie wenig ich über die mexikanische Küche bisher weiß und wie fremd sie mir ist.

Und genau deshalb habe ich Lust, mich durch einige dieser Rezepte zu kochen.

Nicht mit dem Anspruch, ab sofort mexikanisch zu kochen. Sondern um diese besondere Aromatik besser zu verstehen und die eine oder andere Idee später in meine eigene Küche zu übernehmen.

Auch ein Buch über Mexiko

Mexiko mi Amor ist keine Rezeptsammlung, sondern ein Buch über Mexiko.

Fernando Gonzalez Cortes schreibt über Mexico City, Guadalajara und Oaxaca, über Märkte, Streetfood und mexikanische Gastfreundschaft. Dazu kommen kleine Hinweise zu Sprache, Alltag und Esskultur.

Essen ist in diesem Buch nie losgelöst von dem Ort an dem es entstanden ist, das ist spannend zu lesen.

Und wie sieht es aus?

Das Buch ist typisch schlicht schön! Großzügig gestaltet, großes Format, kräftige Farben und sehr viele Bilder von Gerichten, Menschen, Straßen, Märkte und Alltagsszenen. Wie eine Reise nach Mexiko vom Küchentisch oder Sofa aus – ich liebe diese Art von Büchern. Ein Buch, das weniger ein perfektes Mexiko zeigen möchte als ein persönliches.

Mein Fazit

Ich mag Kochbücher, die mir nicht nur sagen, was ich kochen soll, sondern mir etwas über eine Küche beibringen.

Mexiko mi Amor macht genau das.

Für jemanden wie mich, der Mexiko kulinarisch bisher eher von außen betrachtet hat, ist das Buch deshalb ein guter Einstieg. Es erklärt Grundlagen, zeigt Zusammenhänge und macht neugierig auf Zutaten und Aromen, mit denen ich bislang wenig gearbeitet habe. Ich glaub ich würde gerne mal nach Mexiko reisen ….

Alle Fotos aus: Mexico mi Amor, Luis Fernando Gonzalez Cortes, Callwey Verlag 2026. Fotografie im Buch: © Max Bublak

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